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Events to do with the body, gender and sexuality in Basel

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Propagandagespräche von Boris Nikitin (CH) Macht und Verwundbarkeit II – Rita Norma Schulthess (EXIT-Freitodbegleiterin)

  • Kaserne 1B Klybeckstrasse Basel, BS, 4057 Switzerland (map)

Am Anfang jeder Veränderung der Öffentlichkeit steht ein Coming-Out. Ein Mensch geht raus, stellt seinen Körper aus, macht sich sichtbar, hörbar, angreifbar. Der Regisseur und Autor Boris Nikitin widmet sich in Macht und Verwundbarkeit der Frage, wie wir in die Realität einwirken, indem wir uns exponieren, dokumentieren und propagieren. Mit Gästen wie Didier Eribon, Dean Hutton oder Milo Rau taucht er ab in die experimentellen Grauzonen des Öffentlichenin denen Realitäten immer wieder neu getestet und erfunden werden.

In seinem zweiten Propagandagespräch lädt der Regisseur Boris Nikitin die Therapeutin und EXIT-Freitodbegleiterin Rita Schulthess in die Kaserne, um sich dem vielleicht grössten aller Coming-outs anzunähern: dem Wunsch zu sterben.

Der Schweizer Verein EXIT bietet seit seiner Gründung 1982 die Möglichkeit des assistierten Suizids. Rechtliche Grundlage ist ein altes Gesetz aus dem Schweizer Kriegsrecht, welches dem Soldaten erlaubt, bei einem leidenden Kameraden passive Sterbehilfe zu leisten. Zwar besteht das Hauptanliegen des Vereins heute nicht zuletzt darin, Menschen zum Ausfüllen einer Patientenverfügung zu ermutigen, doch ist es vor allem die öffentliche Auseinandersetzung über den Freitod, welche EXIT zu einer wichtigen, nicht selten auch umstrittenen Institution gemacht hat. 

Die Zeiten der ideologischen Debatten scheinen heute jedoch vorbei zu sein. EXIT hat über 100’000 Mitglieder, ist in der Mitte der Schweizer Gesellschaft angekommen und macht das Unaussprechbare aussprechbar. Zu sagen: Ich will nicht mehr.
Gemeinsam blicken Nikitin und Schulthess auf Lebensrealitäten von Menschen, für die Selbstbestimmung gerade mit Blick auf ihr Ende wichtig ist. Dabei überrascht, dass in einzelnen Schilderungen nach der Entscheidung, nicht um jeden Preis weiter zu machen, das Leben plötzlich als „Möglichkeit“, als etwas Gestaltbares neu aufscheint - jenseits des Zwangs, leben zu müssen.